Digital Media &
Experiment

Gemeinsam untersuchen wir interdisziplinäre Praktiken von Extended Reality bis hin zu immersiven Installationen. Unser Ziel ist es, eine Sprache für die sich ständig weiterentwickelnden Bereiche des digitalen Designs und der Medienkunst zu etablieren. Durch eine konsequente Einbindung der Praxis in die Theorie wollen wir zur Etablierung dieser Disziplinen beitragen und eine sichtbare Rolle bei den bevorstehenden Herausforderungen spielen, denen wir als Kreative und als Gesellschaft insgesamt gegenüberstehen.

Projekt

Lichen, 2024

Sonja Mense

quadrophonische, bewegungsgesteuerte Klanginstallation, Videoprojektion, 9,00 x 4,90 m, HD-Videoloop 47:49 Min., 5 quadratische Bildschirme, 22 Zoll, 3D-Scan, HD-Videoloops 1:40 Min., 1 quadratischer Bildschirm, 33 Zoll, 3D-Scan, HD-Videoloop 3:20 Min., Druck, Makrofotografie, 1,06 x 4,90 m

Um die Welt zu erkennen, ist es wichtig, zunächst die Intensität, die Perspektive und die Form zu wählen, aus der man sie betrachten möchte. Flechten erschaffen Welten, in denen sich ein Organismus zu einem Ökosystem entfaltet und ein Ökosystem einen Organismus nährt. Denn sie wechseln hin und her zwischen ihrem Selbst, dem Ganzen und der Gesamtheit ihrer Teile. Wo beginnt ein Organismus und wo endet er? Das Material dieser künstlerischen Recherche umfasst Ton-, Foto- und Videomaterial sowie digitale Scans von Flechten, um deren transformatives Verhalten in Bezug auf Form und Zeit zu entschlüsseln. Gibt es weitere Ebenen und Prozesse, die sich auf einer für unsere Augen unsichtbaren Skala bewegen; die auf Zeitskalen stattfinden, die unsere Sinne nicht erfassen können? Ausgehend von der Faszination des Andersseins konzentriert sich diese Arbeit auf die Kunst der Wahrnehmung, um die unerwarteten Realitäten dieser Organismen zu erfassen. Das Ergebnis ist eine immersive, audiovisuelle und bewegungssensorische Installation als Erfahrung von Natur, Raum und Zeit.Im Rahmen mehrerer Feldstudien in den finnischen Wäldern wurden Flechten über einen längeren Zeitraum hinweg wiederholt besucht, untersucht, gezeichnet, vermessen, bestimmt und kartiert. Im Rahmen meiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Organismus der Flechte sowie ihrer zeitlichen und räumlichen Lokalisierung entstanden investigatives Makro-Foto- und Videomaterial sowie hochauflösende 3D-Fotogrammetrie-Scans verschiedener Flechtenarten. Das Bewegtbildmaterial wurde verlangsamt und zu einem sich wiederholenden Video bearbeitet, das im Vollformat in den Ausstellungsraum projiziert wird. Das Ergebnis ist ein allumfassendes Portal im realen Raum, durch das sich der Betrachter als Teil des Flechtenökosystems wiederfindet. Mit Hilfe hochempfindlicher Mikrofone, Hydrophone und Geophone sowie eines tragbaren Aufnahmegeräts habe ich elektromagnetische Impulse der Flechte im Boden und die Umgebungsgeräusche ihrer Umgebung vor Ort archiviert. Die gesammelten Klänge wurden im Labor analysiert und zu einzelnen Sequenzen zusammengestellt. Eine einzelne Aufnahme speist eine aquadrophonische Klanginstallation, die sich mit den Umgebungsgeräuschen des Ausstellungsraums vermischt. In deren Zentrum ist eine echte Trichterflechte auf einem beleuchteten Sockel positioniert. Wenn sich Menschen der Installation nähern, verwandelt sich der Soundtrack in ein undefiniertes Rauschen. Je geringer der Abstand zur Flechte, desto intensiver ist die hörbare Veränderung. Die bewegungsbezogene sensorische Veränderung deutet auf eine Interaktion zwischen Menschen und Flechten hin und wirft die Frage nach den Möglichkeiten der Kommunikation und der Beziehungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Organismen auf.

Betreuer*innen

Sonja Mense
mail@sonjamense.de
www.sonjamense.de
@sonjamense (Instagram)

Master‘s thesis at the Bielefeld University of Applied Sciences
Communication Design

Supervising Professors
Prof. Herwig Scherabon
Prof. Dr. phil. Kirsten Wagner

Photographer
Patrick Pollmeier

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Seminar

I Wish This Would Be Your Color

Ziel dieses künstlerischen Seminars war es, transhumanistische Konzepte mithilfe von Gesichtsmasken zu erforschen. Im Mittelpunkt standen die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte und der zeitgenössischen Kultur von Masken sowie die Einführung neuer Ideen. Masken werden als Mittel angesehen, die eigene Identität zu überwinden und mit nicht-menschlichen Lebensformen in Kontakt zu treten, wie es in animistischen Kulturen zu beobachten ist. Sie verleihen Geistern, Ahnen oder Naturkräften Handlungsmacht. In einem zeitgenössischen Kontext jedoch, in dem Götter nicht mehr allgemein anerkannt werden und die Natur oft als „das Andere“ betrachtet wird, lohnt es sich, die Bedeutung dieser Praxis zu untersuchen.Identität und Anonymität sind mit politischen Implikationen und Machtdynamiken behaftet. Im digitalen Zeitalter ist das Recht auf Anonymität ständig bedroht, da biometrische Daten ohne Einwilligung gespeichert und zentralisiert werden. Daher kann das Verbergen als politischer Akt angesehen werden. Das Seminar untersuchte, wie das Verbergen und der Einsatz von Masken zur Selbstbestimmung beitragen und die Geschlechtsidentität sowie andere Formen des Selbstausdrucks vor äußeren Einflüssen schützen können.

Seminarleitung
Prof. Herwig Scherabon

3D Druck Assistenz
Serigne Buck & Hanno Hlacer

Fotografie
Luis Dietrich

Models
Luca Ackermann, Serigne Buck, Marie Schmitt

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Machines Of Loving Grace

Im Rahmen des Seminars „Machines of Loving Grace“ setzten sich die Studierenden mit der Verflechtung von Technologie, Macht und Körper in einem Zeitalter auseinander, in dem Kontrolle durch unsichtbare Systeme ausgeübt wird. Die Sammlung zeigt auf, wie technische Infrastrukturen mit Gewalt, Regierungsführung und Formen der Ausbeutung verflochten sind, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle wirken. Anhand skulpturaler, medienbasierter und datengesteuerter Praktiken thematisieren die Werke die Spannungen zwischen Sichtbarkeit und Verborgenheit, Handlungsfähigkeit und Automatisierung, Fürsorge und Zwang. Verschlüsselung, Schnittstellen und Messsysteme werden als Mechanismen entlarvt, durch die Macht organisiert, verteilt und vorenthalten wird. Daten werden als aktives Material behandelt, das auf Körper einwirkt und Verhalten, Empfindungen und Entscheidungsfindung prägt. In „Machines of Loving Grace“ erweist sich „Countertechnology“ als kritische Strategie für die künstlerische Praxis. Durch den Missbrauch, die Umnutzung oder die Entlarvung technologischer Systeme unterbrechen die Werke Narrative von Fortschritt und Effizienz. Was dabei entsteht, ist ein politisch inszenierter Kontrollverlust. Autonomie wird versprochen, während sie gleichzeitig kontinuierlich untergraben wird. Die Werke bieten keine Lösungen an, sondern eröffnen einen Raum, um die Infrastrukturen, die das zeitgenössische Leben stillschweigend regieren, wahrzunehmen, zu hinterfragen und ihnen Widerstand zu leisten.

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Transcendentia

Aus der urzeitlichen Dunkelheit des Geheimnisses tauchen vollkommene Körper auf, feierlich, voller Begeisterung, als sähen sie alles zum ersten Mal. Stärke, Schmerz und Hingabe prägen ihre Gesichter. Sind sie die Göttinnen und Götter, die uns erschaffen haben? Oder sind sie die ersten Menschen, die aus dem Ei der Geschichte schlüpfen? Sind wir die Abbilder der Göttinnen und Götter? Oder haben wir sie nach unserem eigenen Ebenbild geformt, um uns selbst in ihnen zu verehren? Sehen wir im Tanz, im Kampf für das Rechte, im Kampf des Guten gegen das Böse, in der Rebellion des Einzelnen gegen das Schicksal die Inkarnation der Götter oder die Vergöttlichung der Menschen? Rüstungselemente und Helme scheinen auf moderne Sportarten wie Rugby, Eishockey oder Baseball anzuspielen. Ihre Helden treten in die Hall of Fame ein, so wie die Götter den Olymp betreten.Geschieht dies am ältesten oder am jüngsten Tag? Ist es ein Neuanfang oder der Anbruch der Götter? In seiner Studie „Keeping Together in Time“ beschrieb der amerikanische Historiker William H. McNeill, wie sich in Stresssituationen menschlicher Zusammenhalt entwickelt, sobald Instrumente oder Stimmen einen Rhythmus vorgeben. Tanzen, Marschieren und Rudern haben beispielsweise einen gemeinsamen Ursprung im menschlichen Bedürfnis nach „muskulärem Zusammenhalt“. In der Kulturgeschichte entwickelten sich höfische Tanzschritte und elegante Wettkampfsportarten (z. B. Fechten, Bogenschießen, Ballspiele) als Ausdrucksformen körperlicher und selbstbeherrschender Kontrolle. Exerzierübungen und Disziplin sind die Kehrseite von Rausch und Ekstase, so wie das Apollinische dem Dionysischen gegenüberstand. Doch sowohl Selbstbildung als auch Selbsttranszendenz sind der angeborenen Ausstattung des Menschen mit Trieben und Vernunft innewohnend. Kulturen und Religionen haben stets zwischen diesen Kräften, zwischen Chaos und Ordnung, vermittelt. Diese Kräfte verkörpern sich in Figuren, die im Raum agieren. Kleidungsstücke als zweite Haut des natürlichen Körpers betonen diese Wirkungen, bieten Halt und Schutz, reagieren auf Bewegungen oder erzeugen sie. – Prof. Anna Zika Das Projekt entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich Design der Fachhochschule Bielefeld und dem Zentrum für Zeitgenössischen Tanz Köln.Die Modevideos entstanden im Rahmen des Workshops „Transcendentia“ unter der Produktionsleitung von Dozent Marcus Wildelau, an dem Studierende der Fachbereiche DMX und Modedesign gemeinsam teilnahmen. Die technische Unterstützung für den Workshop übernahmen Tobias Bongartz, Kim Groche und Nils Pisarsky. Vielen Dank an alle Beteiligten!

Prof. Dr. Sevi Bayraktar, Professor of Dance, Performance and Music at the Center for Contemporary Dance (ZZT)
Prof. Jan Burkhardt, ZZT Cologne
Prof. Philipp Rupp, Fashion Design
Prof. Herwig Scherabon, DMX
Lecturer Marcus Wildelau, M.A.
Prof. Dr. Anna Zika, Design Theory

Studenten aus DMX
Liam Balzert, Evelina Dallmann, Noelle Ehrenfeld, Ruben Hillemeyer, Spence Kromberg, Kevin Kuhn, Theresa Kunze, Lisanne Lehmann, Anna Moritz, Jana Nesgutski, Maik Schneiker, Julian Schwarze, Charlotte Sülflohn, Maira Wissing

Modestudenten aus dem Seminar von Prof. Philipp Rupp
Games, Costumes, Genders & Identities I
Sophie Alexandra Eida, Meriel Eilermann, Jennifer Fahr, Fiona Gohrke, Lina Häcker, Lorena Kapp, Isabella Matic, Isabel Niemann, Laura Ortwein, Julia Quitmann, Trisnadiel Salawane, Anna Zerrer

Performer
Jan Luka Ackermann, Prof. Jan Burkhardt, Yi Chen Chen, Jule Ehlenz, Juliana Garycochea, Andrej Kran, Hannah Reena Reif, Nora Roberg, Fernanda Rodrigues, Naz Salmanoglu, Emma Stacey, Ada Sophie Sternberg, Fuzael Ul-Hassan

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Together We Are Robots

Im Juni 2023 konzipierten Studierende des von Prof. Herwig Scherabon geleiteten Kurses „Together We Are Robots“ eine Ausstellung im Dock 11 in Berlin, die den Abschluss eines Semesters voller Forschung und Experimente mit künstlicher Intelligenz bildete. Während sich die aktuellen Diskussionen und Bedenken zu diesem Thema vor allem auf die ethischen Fragen beim Einsatz von künstlerischem Material Dritter zum Trainieren von KI-Modellen konzentrieren, wollten die Studierenden über den üblichen Diskurs hinausgehen und bezogen auch philosophische, politische und soziologische Standpunkte in ihre Forschung ein. In „Together We Are Robots“ präsentieren sie ein breites Spektrum an Positionen, darunter nicht-menschliche Perspektiven, posthumane Konzepte sowie utopische und dystopische Szenarien. Themen wie Handlungsfähigkeit, Empfindungsfähigkeit und Ethik sind tief in die Struktur ihrer Konzepte eingewoben.

Fotos
Pauline Tillmann

Dokumentationsvideo
Louis Wiemann

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Projekt

Fashion Show, 2020

Im Rahmen der Modenschau 2020 präsentieren Studierende und Absolventen des Fachbereichs Design der Fachhochschule Bielefeld am 24. und 25. Januar 2020 im WissensWerkStadt Bielefeld ihre Semesterprojekte und Abschlusskollektionen.Mode kleidet uns – und ist ein Medium, um Positionen, Wünsche und Fragen an die Gesellschaft zu richten. Modedesigner*innen setzen ihre Ideen in Kleidung um und finden so einen spezifischen Ausdruck für ihre Zeit. In ihren Seminararbeiten und Kollektionen beschäftigen sich Studierende und Absolvent*innen mit Identität und Gender, Recycling und Nachhaltigkeit, Handwerkskunst und Herkunft – Themen und Positionen, die aktuelle gesellschaftliche Diskurse widerspiegeln.Die Modenschau wird durch „Digital Media and Experiment“, den neuen Studiengang am Fachbereich Design, ergänzt. Mit Methoden der experimentellen Animation, Augmented Reality und Interaktionsdesign verarbeiten Studierende Fotos, Videos, Textilien und Konzepttexte aus den präsentierten Kollektionen. So wird sichtbar, was hinter dem kreativen Prozess des Modedesigns steckt.Präsentiert werden eine Video-Bühnenkulisse, eine interaktive Fotobox und virtuelle animierte Plakate. Diese medialen Interventionen machen die Veranstaltung zu einem offenen Kunstwerk, das die Besucher*innen dazu einlädt, sich selbst in Szene zu setzen und im digitalen Raum zu reflektieren. Im Geiste von Remix und Collage werden die Besucher*innen so zu Mitgestalter*innen und Protagonist*innen der crossmedialen Inszenierung der Modenschau.Die von Bielefeld Marketing geplante WissensWerkStadt, deren Konzept darin besteht, das Gebäude als Werkstatt für Wissenstransfer im Herzen der Stadt zu positionieren, schafft eine Plattform für den Dialog zwischen der städtischen Gesellschaft und unserer Inszenierung von Mode.

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